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Pflegegrad 1 bis 5 bei Pflegebed√ľrftigkeit

Welche Pflegegrade gibt es und wie funktioniert die Einstufung?

Lesedauer: 5 Minuten
Autor: Ella Rohrhirsch
Erstellt: 6.12.2020

Der Pflegegrad gibt an, wie selbstst√§ndig eine Person in ihrem Alltag ist und entscheidet dar√ľber, welche Unterst√ľtzung sie von ihrer Pflegekasse bekommt. Unterschieden wird dabei in Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5. Hier erf√§hrst du, was die einzelnen Pflegegrade bedeuten und wie die Einstufung funktioniert.

Pflegegrad: Was ist das √ľberhaupt?

Jede:r kann pflegebed√ľrftig werden ‚Äď ob durch eine chronische Erkrankung, einen Unfall, das √Ąlterwerden oder eine schleichende Krankheit. Um im Fall der F√§lle mit Pflegeleistungen von der Pflegekasse unterst√ľtzt zu werden, muss die betroffene Person allerdings zuerst als pflegebed√ľrftig eingestuft werden.

Hier kommen die Pflegegrade ins Spiel. Von ihnen gibt es f√ľnf Abstufungen, in die pflegebed√ľftige Personen aufgrund ihres psychischen, geistigen und k√∂rperlichen Zustands eingeordnet werden, um Pflegeleistungen zu erhalten.

Bemessen wird ein Pflegegrad dabei an den F√§higkeiten der Person und am Grad der Selbstst√§ndigkeit, mit der sie ihren Alltag bew√§ltigen kann. Pflegegrad 1 steht dabei f√ľr geringe Beeintr√§chtigungen, w√§hrend Pflegegrad 5 f√ľr schwerste Beeintr√§chtigungen steht.

√úbrigens: Bis 2017 wurde die Pflegebed√ľrftigkeit einer Person noch in die Pflegestufen 1 bis 3 eingestuft, die vor allem nach k√∂rperlichen Kriterien vergeben wurden. Die f√ľnf Pflegegrade wurden eingef√ľhrt, um auch auf psychischen Komponenten besser achten und auf die Bed√ľrfnisse Einzelner besser eingehen zu k√∂nnen. Psychisch kranke Personen und Kranke mit Demenz sollen so ebenfalls von den Pflegeleistungen der Pflegekassen profitieren.

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Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Der Pflegegrad bestimmt, in welcher H√∂he eine Person Sach- und Geldleistungen von der Pflegekasse zu seiner Unterst√ľtzung bekommt. Doch wie bekomme ich oder mein:e Angeh√∂rige:r √ľberhaupt einen Pflegegrad?

Um die Ermittlung des Pflegegrads in die Wege zu leiten, muss zun√§chst ein Erstantrag gestellt werden (hier erf√§hrst du, wie das mit deinePflege.de am einfachsten geht). Erst im Anschluss schickt die Pflegekasse eine:n unabh√§ngige:n Gutachter:in zur Einsch√§tzung zu einem vereinbarten Termin vorbei ‚Äď vor unangek√ľndigten Besuchen musst du also keine Angst haben. Der:die Gutachter:in kann eine Pflegefachkraft oder ein Arzt bzw. eine √Ąrztin sein, die oder der einen ausf√ľhrlichen Fragenkatalog, das sogenannte "Neue Begutachtungsassessment", mitbringt. Bei der Begutachtung steht vor allem im Vordergrund, wie selbstst√§ndig der:die Pflegebed√ľrftige bei der Bew√§ltigung des Alltags ist und wobei Unterst√ľtzung gebraucht wird.

Anhand dessen werden die k√∂rperlichen, psychischen und geistigen F√§higkeiten der pflegebed√ľrftigen Person in sechs verschiedenen Lebensbereichen beurteilt. Je nach Ergebnis werden Punkte vergeben, die √ľber die Einstufung des Pflegegrads entscheiden.

F√ľr die Bewertung des Pflegegrades werden im Fragenkatalog folgende sechs Lebensbereiche, sogenannte Module, betrachtet:

  • Modul 1: Mobilit√§t
    • Hier geht's um die die k√∂rperliche Beweglichkeit. Kann sich die pflegebed√ľrftige Person im Liegen drehen? Kann sie alleine aufstehen und etwa vom Bett ins Bad gehen? Kann sie Treppensteigen?
  • Modul 2: Kognitive und kommunikative F√§higkeiten
    • Hierbei wird der Fokus auf das Verstehen und Reden gelegt. Fragestellungen k√∂nnen sein: Kann die betroffene Person Gespr√§che mit anderen f√ľhren? Erkennt sie die Personen aus ihrem n√§heren Umfeld? Kann sie sich r√§umlich und zeitlich orientieren?
  • Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
    • N√§chtliche Unruhe, √Ąngste, Aggressionen oder auch abwehrende Reaktionen gegen√ľber pflegerischer Ma√ünahmen, die f√ľr alle Beteiligten belastend sein k√∂nnen, z√§hlen zu diesem Modul.
  • Modul 4: Selbstversorgung
    • Der Ma√üstab f√ľr die Selbstversorgung ist wieder die Selbstst√§ndigkeit: Kann sich die betroffene Person etwa selbst duschen, die Toilette benutzen, essen und trinken?
  • Modul 5: Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
    • Hier steht die selbstst√§ndige Umsetzung √§rztlicher Verordnungen im Vordergrund: K√∂nnen Medikamente beispielsweise selbst eingenommen werden? Wie kann mit Hilfsmitteln wie einer Prothese umgegangen werden? Falls n√∂tig: Wie oft wird Unterst√ľtzung gebraucht?
  • Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
    • Im sechsten Modul wird die Gestaltung des Alltags betrachtet: Kann die pflegebed√ľrftige Person Freundschaften zu anderen selbstst√§ndig pflegen? An Treffen teilnehmen? Telefonieren?

F√ľr die Einstufung in einen Pflegegrad werden in jedem der sechs Lebensbereiche Punkte ermittelt: 0 Punkte bedeuten dabei, dass die Person im Modul weitgehend selbstst√§ndig ist, 3 Punkte, dass sie die erforderlichen Aktivit√§ten nicht stemmen kann. Zum Schluss werden diese Punkte mit unterschiedlicher Gewichtung zu einem Gesamtwert zusammengez√§hlt, der einen der f√ľnf Pflegegrade angibt.

Was bedeuten die f√ľnf Abstufungen der Pflegegrade?

In welchen Pflegegrad du oder dein:e Angeh√∂rige:r eingestuft wird, richtet sich also nach der Punktzahl, die sich aus dem Fragenkatalog von dem:der Gutachter:in ergibt. Der Pflegegrad sagt dabei aus, wie selbstst√§ndig der Alltag bew√§ltigt werden kann ‚Äď und je h√∂her der Pflegegrad ist, desto mehr Zusch√ľsse erh√§lt man auch von der Pflegekasse.

  • Pflegegrad 1: geringe Beeintr√§chtigung der Selbstst√§ndigkeit oder der F√§higkeiten (12,5 bis unter 27 Punkte)
  • Pflegegrad 2: erherbliche Beeintr√§chtigung der Selbstst√§ndigkeit oder der F√§higkeiten (27 bis unter 47,5 Punkte)
  • Pflegegrad 3: schwere Beeintr√§chtigung der Selbstst√§ndigkeit oder der F√§higkeiten (47,5 bis unter 70 Punkte)
  • Pflegegrad 4: schwerste Beeintr√§chtigung der Selbstst√§ndigkeit oder der F√§higkeiten (70 bis unter 90 Punkte)
  • Pflegegrad 5: schwerste Beeintr√§chtigung der Selbstst√§ndigkeit oder der F√§higkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (90 bis 100 Punkte)

√úbrigens: Pflegebed√ľrftige, die einen spezifischen, au√üergew√∂hnlich hohen Hilfebedarf mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung haben, k√∂nnen auch dann in den Pflegegrad 5 eingestuft werden, wenn sie die erforderliche Punktzahl nicht erreicht haben.

Pflegegrad: Diese Voraussetzungen m√ľssen sonst noch erf√ľllt sein, um Pflegeleistungen in Anspruch zu nehmen

Damit du oder dein:e Angeh√∂rige:r die Pflegeleistungen der Pflegekasse voll beanspruchen k√∂nnen, muss der:die Versicherte in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung zwei Jahre in die soziale Pflegeversicherung eingezahlt haben, beziehungsweise dies ein Elternteil f√ľr ein pflegebed√ľrftiges Kind getan haben. Au√üerdem muss die Pflegebed√ľrftigkeit dauerhaft, also mindestens sechs Monate, bestehen.

Du hast Fragen? Wir die Antworten!

Gerne beantworten wir deine Fragen rund um das Thema Pflege. Sende uns eine Mail an hallo@deinePflege.de oder sprich persönlich mit unseren Pflege-Expert:innen unter +49 7751 9299060.

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